nothingnew im März 2007

Es ist für mich immer ein interessantes Erlebnis, Dinge zu betrachten, die genau ihrem eigenen Klischee entsprechen. Klischees oder Stereotypen helfen eigentlich der Wahrnehmung beim Klassifizieren und Wiedererkennen von Gegenständen oder Personen. Wenn die Übereinstimmung von realem Gegenstand mit dem Klischee jedoch zu hoch ist, sieht sich die eigene Wahrnehmung immer wieder der Frage ausgesetzt, ob der betrachtete Gegenstand jetzt tatsächlich so gemeint ist oder doch eine gewollt zugespitzte Karikatur oder Satire ist.

Heute ist mir ein Link zur Conservapedia über den Weg gelaufen. Hier will man eine Internet-Enzyklopädie schaffen, die konservativen Wertvorstellungen entspricht und nicht so verlottert wie die Wikipedia ist.

conservapedia.png

Screenshot von conservapedia.com:
Wohl ernst gemeint.

Ein sehr gelungener Artikel ist übrigens – wäre er eine Satire – Liberal bias:

The following persons, television programs or media outlets have frequently been said to express a well known liberal bias.

http://www.conservapedia.com/index.php?title=Liberal_bias&oldid=62479

Wenn man etwas in der Versionsgeschichte des Artikels stöbert, so stößt man schließlich auf dessen erste Version. Diese Version lautet (in Auszügen):

The following things express a well known liberal bias.

http://www.conservapedia.com/index.php?title=Liberal_bias&oldid=26220

Dies weckt doch ein paar Assoziationen zu einem satirischen Ausspruch des Satirikers Stephen Colbert:

Now, I know there are some polls out there saying this man [George W. Bush, Anm. d. Verf.] has a 32% approval rating. But guys like us, we don’t pay attention to the polls. We know that polls are just a collection of statistics that reflect what people are thinking in “reality.” And reality has a well-known liberal bias.

Stephen Colbert, 29. April 2006, Transkript

Und die Conservapedia ist wirklich ernst gemeint?

in-das-licht-2.jpg in-das-licht-1.jpg

Disclaimer:
Offenlegung zur hier bestehenden Interessenkollision (Disclose): Der Verfasser bzw. der Dichter nachfolgender Kundgabe und Kaufempfehlung hat selbst Short- oder Longpositionen nachfolgender empfohlener Aktie im Depot und spekuliert auf Dumme, um wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Das bedeutet, dass der Empfehlende alle an dem unten bezeichneten Wertpapier ernsthaft Interessierten auslachen sowie zutiefst verachten wird. Die folgende Empfehlung beruht auf reiner Phantasie. Fragen Sie auch Ihren Betreuer oder Insolvenzverwalter.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe leichtgläubigen Investoren!

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Kaufen Sie jetzt! Der erste Ausbruch erfolgte vor einigen Tagen. Nun ist aus charttechnischer Sicht mit einem erneuten Rebound zu rechnen, da die Aktie schon vor einer Woche extrem angezogen hatte. Dies ist die kurzfristige Nachkaufgelegenheit. Die steigende Tendenz werden wir erneut erleben. Es ist von Kursen bis fünfzig Fantastilliarden auszugehen. Die Aussichen auf eine nachhaltige Rallye sind ausgezeichnet. Profitieren Sie von der Wertsteigerung. Die Aktie wird am Frankfurter Hauptbahnhof gehandelt (Neben “Heisser Imbiss”). Nutzen sie diese charttechnische Diskussion zum Einstieg und verlieren Sie Geld.

Der Anstieg ist nicht weit entfernt.

Mit freundlicher Empfehlung,

Luigi Vercotti
Director
Aktien- und Pferdewetten-Reporting

P.S.: Das i. I. steht übrigens für “immer Investitionswürdig”

(Fortsetzung dieser Heise-Online-Meldung)

Mit zentralen Prinzipien des Web 2.0, User-generated Content und “AAL“, plant das BKA eine gleichzeitige Vereinfachung und Intensivierung der Polizeiarbeit. Die zur Zeit in der Testphase befindlichen Plattformen verbrechr.com, GanovenVZ und susp.icio.us sollen den Netizens die Möglichkeit geben, Gesetzesbrecher zu taggen (2.0-Jargon für eine Anzeige) und Hinweise auf flüchtige Täter zu sammeln.

Außerdem will man aus der Community Mitarbeiter für die Durchführung der sogenannten Online-Durchsuchung nutzen. Ein BKA-Sprecher: “Wir mussten feststellen, dass die besten Hack…, pardon, Ermittler in osteuropäischen Ländern leben und 13 bis 14 Jahre alt sind. Mit klassischen Stellenausschreibungen konnten wir diese Profis leider nicht erreichen, sondern nur ehemalige Toll-Collect- und A2LL-Programmierer.”

Die Grundidee ist nicht neu. Bereits im Jahr 2004 ging die Website denunziant.com (offline, Kopie hier) an den Start. Das Privatprojekt scheiterte jedoch an bürokratischen Hindernissen und dem völlig un-hippen Namen.