Live Earth ist eine Konzertserie, die am 7. Juli 2007 in neun Städten rund um die Welt stattfinden und Anstoß zu einer globalen Bewegung gegen den Klimawandel sein wird.
www.liveearthhamburg.de, ganz weit unten, oder auch www.liveearth.org/event.php
Nicht unbescheiden geben sich die Live-Earth-Organisatoren mit ihrer Selbstdarstellung auf den Websites zu dem Event, dem jetzt gerade auf allen Kontinenten der Erde Millionen von Menschen beiwohnen.
Nun gibt es da aber ein kleines Problem: Solche Mega-Events produzieren selbst sehr große Mengen des klimagefährdenden Kohlendioxids. Man schätzt etwa 110 000 Tonnen. Was bei einer Veranstaltung zum Klimaschutz natürlich ziemlich paradox ist.
The belief that a rock concert can save the planet is a bit like thinking that Christmas or Thanksgiving can save turkeys.
So handelt sich Live Earth von vielen Seiten Vorwürfe der Heuchlerei und Unmoral ein. Die Live-Earth-Organisatoren halten dagegen, dass man den CO2-Verbrauch des Events durch diverse Ausgleichsmaßnahmen kompensieren wolle. In Deutschland sollen etwa 30 Cent des Preises eines Live-Earth-Tickets zur Anpflanzung von Bäumen auf der südlichen Halbkugel genutzt werden.
Andererseits: Die globale Erwärmung ist ein Thema, das nach wie vor noch nicht ausreichend im Bewusstsein vieler Menschen verankert ist. Ohne Aufmerksamkeit wird es auch zu keinen massiven Veränderungen kommen, welche dringend notwendig wären. Uns eins muss man den Live-Earth-Konzerten lassen: Aufmerksamkeit erzielen sie in einem sehr hohen Maße.
Aufmerksamkeit kann jedoch schnell wieder verfliegen. Die Frage muss lauten: Was bleibt hängen?
Werden signifikant viele Menschen Energiesparlampen benutzen, Heizkosten sparen oder aufhören, ihren SUV zu fahren? Ich glaube kaum. Solche konkreten Maßnahmen wurden bei Live Earth viel zu wenig dargestellt. Insbesondere die Künstler äußerten sich kaum derartig konkret. Meines Erachtens hat man hier viel Potential verschenkt: Eine 30 Cent Abgabe, die mit Baumanpflanzungen weit, weit weg das Gewissen der Besucher beruhigt, ist ein Witz. Auch wirkt es nicht sonderlich entschlossen, wenn ein “Shuttleservice” für die Live-Earth-Künstler mit Smart-Fahrzeugen angeboten wird, man in den wenigen Klimaschutztipps aber für Car-Sharing, Fahrradfahren oder ähnliches wirbt.
Wird man wenigstens in der Zukunft vermehrt aufhorchen, wenn es um klimapolitsche Entscheidungen geht, wenn über neue Erkenntnisse zur Erderwärmung berichtet wird? Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es.
Oder wird es dann doch so enden?
No, the big, fat message of Live Earth will be that it’s okay to be a hypocrite.



