Man ist sich bei Vattenfall wohl selbst nicht mehr so ganz sicher, ob das Betreiben von Atomkraftwerken so eine gute Sache ist. Mit öffentlichen Überlegungen, die Lizenzen für die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel an Eon zu übertragen, und sich somit in Deutschland komplett aus der Kernkraft zurückzuziehen, vollzieht der Energiekonzern eine ziemlich überraschende Wende in seiner Firmen- und seiner Informationspolitik.
Eigentlich hat man bei Vatenfall noch an eine lange Zukunft seiner Kraftwerke geglaubt. So hat Vattenfall vor nicht allzulanger Zeit noch versucht, die Restlaufzeiten seiner Atomkraftwerke auszudehnen. Jetzt bringt lediglich eine Reihe meldepflichtiger, aber ungefährlicher Ereignisse (sagt Vattenfall selbst) und etwas öffentliche Diskussion Vattenfall zum Zweifeln. Erstaunlich.
Ebenfalls erstaunlich ist die neue Offenheit, die Vattenfall an den Tag legt, nachdem man sich zuvor eher zurückhaltend zeigte und sich deshalb harsche Kritik einhandelte: Dass man die Öffentlichkeit schon über bloße Überlegungen über einen Strategiewechsel informiert, kann durchaus als sehr offene, wenn nicht gar (über-) mutige Informationspolitik angesehen werden. Würde Vattenfall sich doch entscheiden, seine Kraftwerke weiter selbst zu betreiben, würde das schon angekratze Image nun endgültig ramponiert. Ein AKW-Betreiber mit Selbstzweifeln wird sehr große Probleme haben, glaubhaft zu beteuern, seine Werke wären sicher.
Aber auch wenn Vattenfall seine Lizenz an Eon abgibt, bleiben die tatsächlichen Gründe obskur. Laut Spiegel soll dieser Schritt die Kraftwerke wieder aus der Kritik nehmen, da Eon noch ein besseres Ansehen als Kraftwerksbetreiber besitzt. Dies wäre aber für Vattenfall ein sehr selbstloser Beweggrund, da die Abgabe der Lizenz sicherlich finanzielle Einbußen bei Vattenfall mit sich bringen wird. Und ein Energiekonzern ohne Kernkraftwerke hat auch nicht wirklich einen Vorteil von einem besseren Image dieser.
Update: Wohl doch keine neue Offenheit: Vattenfall widerspricht Spiegel-Bericht






Vom bereits erfolgten Dementi abgesehen, wäre eine Übertragung der reinen Betreiberverantwortung an Eon, bei gleichbleibenden Kapitalanteilen an den AKWs, kein wesentlicher finanzieller Verlust, den Strom und die Gewinne könnte Vattenfall weiter einstreichen.
Und um auch die geringste Hoffnung auf eine gewinnträchtige Gefahrzeitverlängerung aufrechtzuerhalten, wird Vattenfall alles tun, was dazu nützlich erscheint.
koalabaer 14.07.2007, 15:46Danke für den Hinweis. Damit wäre ja erstmal wieder alles offen. Nun ja, mal sehen, wie es sich weiterentwickelt.
nils 14.07.2007, 16:28